Jahresbrief Lebensschule Ost 2024
Das Jahr 2024 neigt sich dem Ende zu – es ist mitten in den Rauhnächten – draußen ist es grau, dunkel und nieselig – ein guter Moment euch ein bisschen von unserem Jahr zu berichten.
Das Jahr starteten wir im Januar mit einem Outdoor-1.Hilfe-Kurs mit der Outdoorschule Süd. Ein ganzes Wochenende übten wir mit Freude und großem Interesse verschiedene Notfälle, wichtige Handgriffe und Abläufe – abgestimmt auf unsere Arbeit im Wald, am Feuer, in den Bergen und auf dem Wasser.
Weiter ging es mit der „Wilden Winterwerkstatt“ am 21. Januar am Eichelkamp als Ersatz für den Wilden Advent. Viele tolle Basteleien, ein wärmendes Feuer, Holzhacken…–Ende Januar/ Anfang Februar waren wir dann auf Winterreise– mit der Drachinzeit-Jahresgruppe in der U Basnika in Mala Upa im Riesengebirge – gefördert von der Vaude-Stiftung – eine Hüttentour mit Bergwanderung, Langlaufen, Eisbaden, Schlitten fahren u.v.m.
Weiter ging es mit einem kleinen Frühlings-Subotnik im Projektbereich des Eichelkamps – als Vorbereitung für den „Wilden Frühling & das Wilde Jahr“ – es wurde ein neues Vordach für Material gebaut, es wurde geputzt, Holz gesägt und gehackt und im Baumhaus wurden endlich die kleinen und großen Ritzen mit Leisten geschlossen. Es gab leckere heiße Suppe und wir genossen es endlich wieder draußen zu sein und rum zu werkeln.
Im März/ April starteten wir mit den diesjährigen regulären Drachinzeiten in Potsdam, im Fläming und in Jena. Zusätzlich beendeten und begannen wir jeweils eine Jahresgruppe im Frühsommer. Insgesamt begleiteten wir im Rahmen der Drachinzeit insgesamt 55 Jugendliche & ihre Familien.
Beschäftigt hat uns, dass in allen Gruppen junge Menschen, dabei waren, die aufgrund von psychischen Krisen die Drachinzeit z.T. abbrechen mussten. Und wir waren z.T. mit schwierigem Zeitgeist konfrontiert: Stress, Ängste, weniger emotionale Erreichbarkeit, Handykonflikte, Dienstleistungsansprüche usw..–Aber wir nahmen auch zunehmendes politisches Interesse, Statements und Fragen der Jugendlichen wahr! Die meisten konnten wir durch die unterstützende Zeit in der Natur und in der Gemeinschaft, durch konsequente Wertschätzung, Annahme und unserer liebevollen Anteilnahme erreichen und so war es für sie eine Unterstützung und Stärkung in diesem besonderen Übergang der Pubertät in dieser eher krisenhaften Zeit.
Wir arbeiten mittlerweile überwiegend in generationsübergreifenden Teams – wir freuen uns sehr, dass unsere jungen Frauen* so am Start sind & zusammen sind wir einfach „umwerfend“! Aus unserer Lernreise/ Fortbildung „Initiatische Arbeit“ absolvierten 4 Teilnehmer:innen ihr Praxisjahr in den Drachinzeiten.
In den Osterferien war es Zeit für den „Wilden Frühling“. Dieses Jahr war es schon viel frühlingshafter als im vergangenen Jahr, auch wenn die Nächte noch sehr frisch waren. Wir bauten eine Waldhütte, zwei Kinder übernachteten. Es würde Kräutersalz und Zahnpasta hergestellt, Salbe gekocht und waren das erste Mal mit den Kanus auf dem Wasser!
Wilder Sommer mit den Gemeinschaftsunterkünften Pirschheide/ Zeppelinstraße und dem Handelshof – gefördert von der GLS-Bank & der Aktion Mensch. —In den Sommerferien gestalteten wir jeweils drei Tage mit Kindern und Familien, die in Gemeinschaftsunterkünften leben – Menschen, die oft den ganzen Sommer ohne Verreisen oder fürs uns selbstverständlichen Aktivitäten verbringen – wir verbrachten tolle Sommertage im Wald mit Klettern, spielen, Bogenschießen, wandern – wir trafen Pferde auf den Nuthewiesen, Schafe im Wildpark Potsdam, pflückten Äpfel auf einer wilden Streuobstwiese und verbrachten Zeit am und auf dem Wasser – mit Boote bauen und ganz viel Baden, vom Steg springen in den Kanuschwimmwesten. Und dann waren wir sogar einen Tag auf der Havel paddeln mit Kindern, Frauen & einem Opa aus der Ukraine, die überwiegend noch nie im Kanu gesessen haben und am Ende des Tages sehr stolz waren. Wir badeten und kenterten aus Spaß die Boote an der Badestelle und alle hatten riesigen Spaß & konnten ein wenig ihre Sorgen vergessen.
Dann gab es noch eine „Wilde Sommerwerkstatt“ mit kreativen Druckereien, Malen und Schmuck basteln auf einem kleinen Wiesenstreifen vor der Gemeinschaftsunterkunft am Handelshof im Industriegebiet Rehbrücke. Groß und Klein kamen & bastelten zusammen, es gab Hotdog’s und viele sehr schöne, freudige und herzliche Momente. Mit 15 Kindern paddelten wir dann auf unserer „Wilden Sommer-Kanutour“ 5 Tage auf der Müggelspree von Fürstenberg nach Erkner. Dieses Jahr waren die Kinder schon richtige Profi’s – sie paddelten und steuerten die doll beladenen Kanu’s sicher und mit dem Packen waren sie oft schon vor dem Frühstück fertig. Wir übernachteten an der Großen Tränke, in der Nähe von Mönchswinkel und im Ruderverein in Erkner.
Wir konnten endlich wieder Feuer am Fluss machen, weil es diesen Jahr viel mehr geregnet hatte und am Morgen stand spätsommerlicher Nebel über dem Fluss. Dafür dass die Müggelspree so nah Richtung Berlin fließt, ist sie hier noch relativ wild – wir konnten viele Wasservögel beobachten, den Biber und auch der Fuchs besuchte uns nachts. Es gab tolle Bade-Erlebnisse mit Springen vom Baum, Schwimmen im strömenden Wasser und durch die Wasserpflanzen.
„Wilder Herbst“ – gefördert von der Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam.
Wieder ging es mit 12 Kindern und drei Erwachsenen mit Sack und Pack ins Elbsandsteingebirge nach Ostrov. Diesmal fuhren Tanja und Judith mit den Kindern mit dem Zug – zwei Kinder trafen sie erst in Königstein. Kathrin fuhr das Auto mit dem Material und unserem Essen.
Die Wanderung von der Schweizer Mühle nach Ostrov – ca. 6 km mit den großen Rucksäcken ging dieses Jahr schon viel besser – bei einer Rast am Biela-Bach wurden die Schuhe ausgezogen und es ging barfuß in den eiskalten Bach – was für eine Wohltat.
Angekommen am Campingplatz wurden die Tarp’s zusammen aufgebaut, die Schlafplätze eingerichtet und Feuerholz gesucht. Schnell brannte ein kleines wärmendes Feuer. Zum Abendessen gingen wir in die urige Bergsteigerkneipe und danach murmelten wir uns schell in unsere Schlafsäcke – es war stürmisch und kalt in der Nacht und die Heringe flogen raus und wir mussten die Tarp’s nach spannen. So waren wir am kommenden Morgen froh, dass es weiter in die Boofe ging. Zweimal mussten wir hoch laufen bis alles oben war – Rucksäcke, Essen, Wasser, Gemeinschaftsmaterial, Holz – aber dann machten wir es uns gemütlich und richteten uns ein, spannten Tarp’s und sortierten unser Essen in die mitgebrachte Metallbox – dieses Mal wollten wir den Fuchs austricksen.
Und wir fanden tatsächlich das Nutella-Glas wieder, welches uns der Fuchs im Vorjahr geklaut hatte!
Dann war endlich Zeit zum herumstromern – wir kletterten zusammen auf einen der große Felsen und genossen die Wahnsinnsaussicht, spielten Werwölfe, brutzelten allerhand am Feuer, schnitzten Löffel u.v.m.. Ausflüge ins Himmelreich und zu den Tisafelsen mit toller Herbstsonne, kleine Klettereien mit Gipfelbuch, Versteck spielen, Wasser holen an der Quelle, „Kackausflüge“ zum Campingplatz ohne die Erwachsenen, Pilze sammeln und die Zeit verging wie im Fluge. —Anfang November beendeten wir unseren 2.Ausbildungsgang die Lernreise der „Initiatischen Arbeit“ in Semmerin. 7 Absolventinnen präsentierten ihre beeindruckenden Abschlussarbeiten und es entstand ein dickes Logbuch!
„Wilder Advent“ am Eichelkamp , „Wilde Winter-Werkstätten“ in der Gemeinschaftsunterkünften
An einem kalten sonnigen Tag starteten wir mit dem „Wilden Advent“ am Eichelkamp in die Adventszeit – es wurde wild gebastelt – Weihnachtskarten, Brandmalerei auf kleinen Holzscheiben, ein nachhaltiger Weihnachtsbaum aus Birkenhölzern und superschöne selbstgezogene Kerzen entstanden – viele kleine besondere Weihnachtsgeschenke. Es gab leckere Waffeln und Punsch.
Zum Jahresabschluss ist unsere „Wilde Werkstatt“ in die Gemeinschaftsunterkünfte an der Pirschheide, in den Handelshof und in die Gluckstraße gezogen. Mehrere Nachmittage haben wir gemeinsam mit den Kindern weihnachtlich & winterlich gebastelt.
Kinder und Familien aus Syrien, Tschetschenien, Gaza und aus der Ukraine saßen mit uns zusammen am Feuer – es gab Bratäpfel, Pfefferkuchen und Punsch. Zum Nikolaus wurden Riesen-Schoko-Weihnachtsmänner verteilt. Wesam, eine palästinensisches jugendliches Mädchen buk unermüdlich Waffeln für alle! Tolle Kerzen wurden beklebt, selbst gezogen und angezündet.
Die Arbeit mit den Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften hat uns dieses Jahr sehr bewegt und berührt – wir hatten Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Kulturen, nahmen Anteil an deren Lebensrealität und wurden immer wieder sehr herzlich empfangen. Wir erlebten sehr viel Herzenswärme, Hilfsbereitschaft, Dankbarkeit und einfach Freude am gemeinsamen Tun. Wir verständigten uns über Gesten, Mimik, mit Händen & Füßen.
Ein lieben Dank an Katharina, Maria und Clara, die hier spontan im Dezember eingesprungen sind!
Wir sind erfüllt von diesem vielfältigen „Wilden Jahr“, der Arbeit in den Drachinzeiten und vom Abschluss der Lernreise – wir danken allen Unterstützer:innen, ohne die unsere Arbeit in der Form nicht stattfinden könnte!
Wir wünschen allen einen friedlichen & liebevollen Jahresausgang!
das Drachinzeitteam,
Tanja, Judith & Kathrin aus dem Team der Wilden Jahreszeitenangebote
& das Team der Lernreisen – Anke, Saskia & Kathrin
Ps: unsere neue Internetseite www.lebensschule-ost.de ist seit Anfang des Jahres online – wir danken Ilan & Chris für ihr künstlerisches & technisches Know-how!
Falls ihr uns zum Jahresende noch finanziell unterstützen wollt, würde uns das sehr freuen – mit eurer Spende könnt ihr bestimmen, was unterstützt wird und es landet nicht beim Fiskus!
Die Kontoverbindung ist die Vereinskonto Mittelbrandenburgische Sparkasse
IBAN DE 161 605 000 035 030 262 57 BIC WELADE D1 PMB
Außerdem unterstützen wir als Lebensschule ein kleines Kindergartenprojekt in einem kleinen Dorf in Botswana – wir konnten mit Hilfe von vielen kleinen und größeren Spenden fast 7800 € für die Einrichtung und den Aufbau beitragen – jetzt steht es an, für ca. 10 Kinder eine regelmäßige Spende von 50 €/ monatlich für den Besuch des Kindergartens und ein täglich warmes Essen, ein zu werben.
Bitte meldet euch unter kontakt@lebensschule-ost.de – wenn ihr euch vorstellen könnt einen Platz regelmäßig zu unterstützen/ zu finanzieren – wir können Spendenbescheinigungen dafür ausstellen.
Ausblick für 2025
Wir wollen 25 Jahre Drachinzeit feiern! Safe the Date: 5.-7.September 2025.
Dann wollen wir im Sommer 11.-18.August auf’s Meer – mit dem Traditionsschiff Bell Amie auf eine generationsübergreifende, zukunftsbejahende Segeltour – Anmeldung hier.
Hier die neuen Termine der Wilden Jahreszeitenreisen!
Neu ist die Passage – eine Forschungsreise für Frauen in den Mittleren Jahren/ in den Wechseljahren.
Impulstage im Frühjahr & Fortbildungsstart Lernreise „Initiatische Arbeit“ ist im Herbst 2025.
Wir freuen uns auf neue & bekannte Gesichter, kleine & große Erfahrungen & Abenteuer, auf ein bestärkendes solidarisches Miteinander!